Die Alanus Hochschule bietet verschiedene Studiengänge im pädagogischen Bereich an, die auf den Lehrerberuf vorbereiten. Welche Formen der Lehrerbildung gibt es zur Zeit?
Im Fachbereich Bildungswissenschaft der Alanus Hochschule haben wir derzeit drei Studiengänge, die auf den Lehrerberuf vorbereiten:
1) das Lehramtsstudium Kunst mit dem Abschluss des Ersten Staatsexamens
2) das Studienprogramm Master of Arts in Pädagogik mit dem Schwerpunkt Reform- und Waldorfpädagogik und
3) den Zertifkatskurs Waldorfpädagogik.
Hinzu kommt ein Master Heilpädagogik, der Forschung-, Leitungs- und Bildungsaspekte im heilpädagogischen Bereich behandelt.
Was ist das Besondere dieser Studiengänge?
Das besondere Merkmal unserer Arbeit in der Pädagogik ist die Verbindung von allgemeiner Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik.
Bedeutet dies auch, dass die Absolventen sowohl an Waldorfschulen bzw. Reformschulen und auch an Regelschulen tätig werden können?
Ja, genau. Es ist aus unserer Sicht wichtig, dass die Studierenden ein möglichst breites Spektrum der pädagogischen Reflektion einbeziehen, um dann hinterher frei zu sein, einen individuellen beruflichen Weg zu verfolgen.
So ist es ja auch in der Beschreibung der Studiengänge veranlagt.
Es heißt, dass ein Anliegen darin besteht, die Waldorfpädagogik in kritischem Dialog mit der gegenwärtigen Erziehungswissenschaft zu reflektieren. Was heißt das beispielsweise im Hinblick auf die Ausübung der Lehrtätigkeit an einer Waldorfschule?
Das heißt, dass im besten Sinne eine Bereicherung in zwei Richtungen erfolgt. Die allgemeine Pädagogik der Regelschulen wird um einen Ansatz erweitert, der sehr stark an der Persönlichkeit des sich entwickelnden Kindes und Jugendlichen ausgerichtet ist und hier über eine jahrzehntelange bewährte Erfahrung verfügt; und umgekehrt: die Waldorfpädagogik profitiert von den Forschungen, Diskursen und Reflektionen der allgemeinen Erziehungswissenschaft.
Waren Sie als Waldorflehrer tätig? Wenn ja, gibt es Erfahrungen, die Sie jetzt in das Seminar für werdende Waldorflehrer mit einfließen lassen?
Ich bin selber zehn Jahre lang Deutschlehrer an einer Oberstufe in einer Waldorfschule gewesen und habe dort sehr viele positive Erfahrungen hinsichtlich der kollegialen Zusammenarbeit, der Schüler-Lehrer-Eltern-Zusammenarbeit und auch hinsichtlich der intensiven fachlichen Arbeit im Unterricht gemacht. Insbesondere habe ich sehr geschätzt, mit leistungsheterogenen Schülergruppen zusammenzuarbeiten und Unterrichtsmodelle zu entwickeln, aus denen möglichst jeder Schüler etwas mitnehmen kann. Auch bietet aus meiner Sicht der so genannte Epochenunterricht an einer Waldorfschule eine hervorragende Möglichkeit, manche Themengebiete nicht nur anzureißen, sondern wirklich gemeinsam mit den Schülern zu vertiefen. – Die Waldorfschule verfügt hier über Potentiale, die für jedwede Schulform fruchtbar gemacht werden kann.

Prof. Dr. Jost Schieren wurde im vergangenen Jahr zum Professor für Waldorfpädagogik ernannt.
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