Masterabschlusswoche in Schweden

28. Juni 2011

Masterabschlusswoche – nach dreijährigem Teilzeit-Studium der Pädagogik. Wir fliegen gen Norden. Schon beim Blick aus dem Flugzeugfenster wird deutlich: Hier ist das Land mehr Natur als im zersiedelten Deutschland. Schon von oben dominiert die Farbe grün. Aber auch die blauen Seen sind zu erkennen. Noch lässt sich die Ruhe nur sehen, denn das Motorengeräusch des Flugzeugs ist einfach zu laut, bald aber wird sich die Ruhe wohl auch erleben lassen. Schweden. Ein Land der Natur, in das der Mensch als Gast geladen wird. Hier werden wir die letzten Seminare durchführen, Prüfungen ablegen, Masterarbeiten besprechen.

Wir trafen uns zu fünft am Stockholmer Flughafen und liehen uns ein Auto, um als erste Gruppe die 300 km gen Norden zurückzulegen. Dort sollte unser Domizil für eine Woche stehen – die anderen Studenten und Dozenten würden in den nächsten Tagen anreisen. Wir fuhren und fuhren. Eine endlose Strecke, immer geradeaus. Mittlerweile war es weit nach Mitternacht und noch immer hell: weiße Nächte. Obwohl wir alle immer ruhiger wurden und den Alltag aus Deutschland spürbar hinter uns ließen, wurden wir trotz der späten Stunde immer wacher. Aufmerksamer. An Schlaf war nicht zu denken.

Die roten Häuser hatten wir schon vom Auto aus gesehen. Vereinzelt stehen sie inmitten von Wiesen und an Waldrändern. Genau so ein Häuschen erwartete uns, alle Beteiligten waren unmittelbar an „Pippi Langstrumpf“ oder „Bullerbü“ erinnert. Das Haus nahm uns warm in seine Gemütlichkeit auf. Drei Tage schien die Sonne warm und sommerlich, so dass wir morgens oder abends gerne in den nahegelegenen See sprangen, drei Tage hatten wir Regen und konnten uns gut auf die anstehenden Seminarfragen konzentrieren. Der eine oder andere absolvierte sogar noch mündliche Prüfungen.

Als wir nach ein paar Tagen vollständig waren, begannen wir mit einer intensiven Seminararbeit. Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema „Anthropologie und Anthroposophie“, eine andere mit der „Allgemeinen Menschenkunde“ Rudolf Steiners und eine dritte Gruppe widmete sich dem Forschungsdesign für die eigene Masterarbeit. Es ist schon erstaunlich, welch offene und freie Gesprächsatmosphäre in einem anderen Rahmen entsteht – mitunter war der Gedankenaustausch sogar tiefgründiger und weitreichender als in den Seminarräumen der Alanus Hochschule. In den Pausen trafen wir uns und erzählten uns gegenseitig woran wir arbeiteten. Die Arbeit war fruchtbar.

Fragen bewegten uns: Welche Prozesse durchläuft der Mensch beim erkennenden Denken? Wie unterrichtet man mit „lebendigen Begriffen“, so dass der Lehrinhalt nicht zu abstrakt wird? Was versteht die Waldorfpädagogik überhaupt unter „lebendigen Begriffen“? Was versteht man unter Dreigliederung? Wie charakterisiert Rudolf Steiner den sogenannten Kopf-, Brust- und Gliedmaßenmenschen? Wie geschieht in der Waldorfschule die Einführung der Schrift – eine gewaltige Abstraktionsleistung des Schulkindes? Was gilt es zu bedenken, wenn wir vor heranwachsenden Jugendlichen stehen? Wie bleibt man als Erwachsener lernfähig?

Insgesamt waren wir zwanzig Menschen, die auf drei Häuser aufgeteilt waren. Wenn das Wetter es zuließ, wurde am Abend ein Feuer zum Grillen entfacht und die Stimmen erhoben sich zum gemeinsamen Gesang. Aber auch der eine oder andere biographische Aspekt wurde besprochen. Wichtigste Frage dabei war: Wie geht es nach dem Studium weiter? Was haben wir gelernt? Aber auch: Wie bin ich eigentlich dahin gekommen, an der Alanus Hochschule Pädagogik zu studieren?

Die Schwedenreise war ein gelungener Abschluss des Studiums und bleibt allen Studierenden in intensiver Erinnerung.

Sophie Pannitschka M.A.

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