Fachbereich Bildungswissenschaft der Alanus Hochschule

Waldorfpädagogik / Schule und Unterricht, Kindheitspädagogik, Heilpädagogik, Lehramt Kunst, Pädagogische Praxisforschung

Nach der Ausbildung noch studieren? – Studium der Kindheitspädagogik für Waldorferzieher/innen


Ein solches Studienangebot gibt es nur an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. „Waldorfpädagogik im Dialog“ heißt das Motto des Bachelor-Studiengangs, wo Bezüge wie auch Unterschiede zwischen dem Ansatz der Waldorfpädagogik, anderen reformpädagogischen Konzepten wie auch der Allgemeinen Erziehungswissenschaft diskutiert werden.
Für waldorfpädagogische Fachkräfte mit einer staatlich anerkannten Erzieher-, Heilpädagogen- und Heilerziehungspflegerausbildung ist das berufsbegleitende Studienangebot jetzt noch interessanter geworden. Ausbildungsinhalte aus waldorfspezifischen Aus- und Fortbildungen können auf das Studium angerechnet werden, so dass sich die Studienzeit auf insgesamt zwei Jahre (vier Semester) verkürzt. In den ersten drei Semestern besuchen die Studierenden Präsenz-Veranstaltungen in Alfter und legen ihre Modulabschlussprüfungen ab. Das vierte Semester dient ausschließlich der Erstellung der Bachelorarbeit.
Die Studierenden lernen in kleinen Gruppen und werden intensiv in ihrem Lernprozess durch die Professorinnen und Professoren betreut. Die berufsbegleitende Studienform unterstützt dabei die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, da die Lerninhalte unmittelbar im beruflichen Feld zur Anwendung gebracht werden können. Mit dem Bachelor-Abschluss und der Verleihung der Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte Kindheitspädagogin bzw. anerkannter Kindheitspädagoge“ können sich die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs weitere Berufsfelder erschließen wie z.B. eine Referententätigkeit in der Familien- und Erwachsenenbildung, eine Fachlehrertätigkeit in Waldorferzieher-Seminaren sowie eine Tätigkeit in Beratungsstellen und in der Fachberatung.

 

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Interview mit Lukas Lempke zur KooperationLukas_Lempke

Warum haben Sie sich für die Aufnahme des Studiums der Kindheitspädagogik an der Alanus Hochschule entschieden?

In der Ausbildung zum Erzieher haben wir zwar didaktisch sehr viel lernen dürfen und uns viel mit der eigenen Person im pädagogischen Kontext auseinandergesetzt, jedoch wenig mit theoretischen Hintergründen. Da ich schon während der Ausbildung den Wissensdurst danach verspürt habe, war ich froh, von der Kooperation mit der Alanus Hochschule zu hören und entschied mich, den Bachelor direkt an die Ausbildung dranzuhängen. Außerdem hat mich die Aussicht auf eine Erweiterung der Berufsperspektiven durch einen Bachelorabschluss interessiert. Durch die kompakte Struktur des Bachelorstudiengangs Kindheitspädagogik schien mir eine Verzahnung von Theorie und Praxis gut machbar.

 

Sie konnten in das zweite Fachsemester des Bachelorstudiums Kindheitspädagogik aufgrund der Kooperation zwischen der Alanus Hochschule und dem Rudolf-Steiner-Institut in Kassel einsteigen. Welche Vorteile hat die Kooperation für Sie gehabt?

Viele Grundlagen aus der Ausbildung wurden durch eine Kopplung der Lehrpläne im Studium bereits anerkannt. Dadurch konnte ich mit dem erlangten Wissen gut anknüpfen, ohne dass sich vieles wiederholte und war trotzdem gut vorbereitet.

 

Was waren Herausforderungen für Sie bei diesem berufsbegleitenden Studium? Welche positiven Effekte hatte das Studium für Sie, noch während Sie studiert haben?

Ein Teilzeitstudium zu absolvieren bedeutet, dass man einiges an Selbstdisziplin und ein gutes Selbstmanagement an den Tag legen muss. Das war zwar immer wieder herausfordernd, jedoch eine Sache, die ich ohnehin lernen wollte. Dazu bot das Studium eine gute Möglichkeit und war neben dem Beruf gut zu meistern.

Kindheitspädagog*innen haben kein ganz klar umrissenes Berufsfeld. Die klare Verortung muss erst noch stattfinden. Zunächst fiel mir diese Einsicht schwer, da ich recht naiv gedacht habe, dass einem alle Türen offen stehen. Jedoch ist es so, dass man seine eigenen Türen finden muss und sie versuchen muss zu öffnen.

Durch einen reflexiven und teils kritischen Umgang mit pädagogischen Themen im Laufe des Studiums verschärfte sich auch der Blick auf den eigenen Berufsalltag. Teilweise war es dadurch umso schwerer, festgefahrene Strukturen zu „ertragen“. Durch viele professionelle Handwerkszeuge, die ich im Studium kennenlernen konnte, führte das jedoch zu keiner Lähmung. Stattdessen konnte ich meinen Handlungsraum erweitern und zusätzlich besser kennenlernen, in was für Strukturen ich arbeiten möchte und wie ich mich selbst am besten in diese einbringen kann. Dazu trug auch die eigene Schwerpunktsetzung durch die Hausarbeiten bei.

 

Was bleibt Ihnen aus Ihrer Studienzeit besonders in Erinnerung?

Durch die kleinen Kursgrößen sind viele schöne Verbindungen entstanden. Dazu kamen immer wieder sehr bereichernde Austausche zustande. Die Ergebnisse davon und die geknüpften Kontakte werden auf jeden Fall bleiben.

Der Einstieg in die wissenschaftliche Welt war für mich übrigens ganz neu und sehr faszinierend. Der reflektierte Umgang mit Wissen und diversen Quellen hat sich positiv und hoffentlich bleibend auf mich ausgewirkt.

 

Was würden Sie künftigen Studierenden gerne mit auf den Weg geben?

Ich empfinde das Studium als eine wirklich großartige Ergänzung zu meiner Ausbildung. Es lohnt sich auf jeden Fall, neue, vielfältige und tiefe Blickwinkel kennen zu lernen. Gerade, wenn man im sozialen Bereich arbeiten möchte, ist es so wichtig, immer wieder neugierig, kritisch und positiv zu bleiben und sich immer wieder weiterzubilden. Das Studium bietet hierfür eine wirklich gute Grundlage!


Interview Fabian B. (Teilzeitstudent Bachelor Kindheitspädagogik)

Warum haben Sie sich für die Aufnahme des Studiums der Kindheitspädagogik an der Alanus Hochschule entschieden?

Meine Entscheidung für das Studium der Kindheitspädagogik war im Wesentlichen von dem Selbstverständnis geprägt, dass meiner Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher an einer sich als anthroposophisch verstehenden Fachschule notwendigerweise ein weiterer, auf anderen Ebenen des Denken und Handelns im pädagogischen Kontext ansetzender Schritt der Ausbildung folgen müsse. Die Erzieher-Ausbildung hatte in erster Linie ganz basale Fragen über das Mensch-Sein, insbesondere durch die herausgeforderte Reflexion der eigenen Persönlichkeit und des bisherigen Lebenslaufs, in mir angestoßen. Darüber hinausgehend lag meine Motivation für ein wissenschaftliches Studium darin, auf dem Fundament eines sicheren Standpunkts in der erzieherischen Tätigkeit mein intuitives Denken und Handeln auch auf einer wissenschaftlichen Ebene zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Meine Entscheidung zugunsten der Alanus Hochschule fiel aufgrund drei wesentlicher Beweggründe: Erstens war mir die Hochschule sehr gut bekannt, da einige Menschen aus meinem persönlichen Umfeld hier studiert hatten und mir die persönliche Atmosphäre im Rahmen der Seminare und Tagungen, die ich bereits vor Start meines Teilzeit-Studium miterlebt hatte, sehr imponiert hatten. Zweitens hatte ich von der Alanus Hochschule bzw. insbesondere vom Institut der Kindheitspädagogik den Eindruck, dass dort neben dem strikten wissenschaftlichen Denken auch andere Denkweisen und Mentalitäten gefragt und akzeptiert sind – getreu dem Motto ‚Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaften im Dialog‘. Drittens war die Kooperation zwischen meiner Fachschule in Kassel und der Alanus Hochschule bzw. die damit verbundene verkürzte Studienzeit ein wesentlicher Beweggrund, um das Studium an der Alanus Hochschule in Angriff zu nehmen.

Zusammengefasst würde ich sagen, dass ich die Alanus Hochschule bzw. das Institut der Kindheitspädagogik immer als sehr aufgeschlossen und entgegenkommend erlebt habe. Für mich persönlich war letztlich genau das ausschlaggebend, da ich im Anschluss an die sehr persönliche Atmosphäre in der Fachschule ebendiese Eigenschaften auch für ein weiteres Studieren nicht missen wollte.

 

Sie konnten in das zweite Fachsemester des Bachelorstudiums Kindheitspädagogik aufgrund der Kooperation zwischen der Alanus Hochschule und dem Rudolf-Steiner-Institut in Kassel einsteigen. Welche Vorteile hat die Kooperation für Sie gehabt?

Einen ganz wesentlichen Vorteil der Kooperation sehe ich in der Möglichkeit unmittelbar an die Ausbildung und ihre Inhalte anzuschließen. Zum einen sind die Inhalte der schulischen Ausbildung noch ‚heiß‘, zum anderen ist mit durch die Absolvierung des Berufspraktikums/Anerkennungsjahres auch die erste essentielle Berufserfahrung gemacht. In meinen Augen ist dies der ideale Zündstoff für eine weiterführende Auseinandersetzung der erlebten Themen, dann aber in einem neuen, hochschulischen Kontext, der über die bereits kennengelernten Ebenen der schulischen Ausbildung hinausgeht und neue Denk- und Sichtweisen eröffnen kann.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Kooperation betrifft die Verknüpfung von Ausbildungs- und Studieninhalten. Über die inhaltliche Ausrichtung der anthroposophischen Fachschulen trug ich selbst lange eine kritische Haltung gegenüber der Überbetonung der anthroposophischen Perspektive auf den Menschen in mir. Und dennoch kann ich heute aus eigener Erfahrung sagen, dass ich auf der Grundlage einer verinnerlichten Vorstellung vom Menschen (in meinem Falle eben im Verständnis der anthroposophischen Menschenkunde) sehr gut an die Inhalte des Studiums anknüpfen konnte. Zum einen, weil ich es als sehr bedeutend empfunden habe, überhaupt eine ganz grundlegende Vorstellung vom Menschen in mir zu tragen, zum anderen, weil ich eben daran diese und auch viele anderen Perspektiven erst tiefgründig objektivieren und letztlich wieder verinnerlichen konnte. Das Studium hat also meinen persönlichen Standpunkt immer wieder zum Wanken gebracht, hat mich ab und an auch umgestoßen und zu Boden geworfen. Letztlich gehe ich in meinem Standpunkt sehr bereichert, verändert und im Kern noch immer hochmotiviert für die Kindheitspädagogik aus dem Studium hervor.

 

Welche positiven Effekte hatte das Studium für Sie, noch während Sie studiert haben?

 Im Laufe des Studiums hatte ich immer wieder Momente, in denen ich mir sagte: ‚Gut, dass du erst die Ausbildung gemacht hast und danach das Studium!‘ In meinem Falle haben sich die Ausbildungsinhalte und aber vor allem auch die Formen der Lehre sehr gut ergänzt. Die Ausbildung stellt für mich nach wie vor das Fundament meines pädagogischen Denkens und Handelns dar, da ich in ihrem Rahmen sehr konzentriert biographisch und selbst-reflektiv studiert habe. Wissenschaftliche Themen und Inhalte bauen darauf auf und müssen sich gleichsam daran messen, was intuitiv vertretbar ist und was davon mit den Phänomenen des studienbegleitenden Berufsalltags persönlich verbunden werden kann. Für mich persönlich existiert in diesem Sinne auch keine Hierarchie zwischen dem, was die Ausbildung gelehrt hat als weniger bedeutsam gegenüber dem, was die Hochschule lehrt als bedeutsamer, etwa weil es wissenschaftlich begründet ist. Ausbildung und Studium können sich auf Augenhöhe begegnen und sich in ihren Qualitäten ergänzen. Dies  führt mich immer wieder zu der Feststellung, dass es gut ist, die Ausbildung und das Studium durchlaufen zu haben. Dass diese Ergänzung in dieser Art überhaupt entsteht, spricht meiner Meinung nach im Übrigen für die Qualität der Kooperation zwischen dem Institut für Kindheitspädagogik und den teilnehmenden Fachschulen!

 

Was bleibt Ihnen aus Ihrer Studienzeit besonders in Erinnerung?

Besonders in Erinnerung bleiben wird mir unsere Studiengruppe und die vielen bewegenden Momente im  Gruppenprozess, die entstandenen Freundschaften mit Kommiliton*innen, das großartige Erlebnis unseres Kunstabschlusses (Theaterstück ‚Der kleine Prinz‘), die zahllosen Momente grandioser Erkenntnisse im Laufe verschiedener Seminare/Diskussionen, viele ehrliche Gespräche und Diskussionen mit unseren Dozent*innen, gemeinsame Sonntagsbrunchs im Seminarraum, Kneipenabende in der Bonner Altstadt uvm.

 

Was würden Sie künftigen Studierenden gerne mit auf den Weg geben?

Das Studium als Chance sehen, diese ergreifen und sich auf den Weg machen! Die größte Herausforderung dabei ist es, Beruf und Studium organisatorisch unter einen Hut zu bekommen. Während von Seiten der Hochschule hierfür viel geleistet wird (Unkomplizierte Anträge/Anmeldungen/Formvorschriften, ständige Bereitschaft zu telefonischer Rücksprache, Online Plattform zur Bereitstellung von Materialien etc.), betrifft das vor allem die Selbstorganisation am heimischen Schreibtisch. Meiner Erfahrung bezieht sich dies vor allem auf das Zeitmanagement, insbesondere aber die Frage ‚Wie viel Tage/Stunden/Prozente Arbeit kann ich während des Studiums leisten?‘. Früh mit der Ausarbeitung geforderter Abschlüsse zu beginnen, kann bspw. bei einer 100%-Stelle in einer Kita u.U. nicht ausreichend sein. Deshalb empfehle ich allen Teilzeit-Studierenden, während den 4 bzw. 5 Semestern des Studiums den beruflichen Arbeitsumfang zu reduzieren, um genug freie Zeit, vor allem unter der Woche, speziell für das Studium zur Verfügung zu haben.