Pädagogische Praxisforschung- Interview mit Prof. Dr. Heinritz

Ein Schwerpunkt der pädagogischen Studiengänge an der Alanus Hochschule ist die pädagogische Praxisforschung. In welchen Studiengängen kann diese Forschungsrichtung studiert werden?
Pädagogische Praxisforschung – sowohl in qualitativer wie quantitativer Ausrichtung – wird an der Alanus Hochschule in folgenden Studiengängen gelehrt:

  • in der Lehrerausbildung (Kunstlehrer mit Abschluss Staatsexamen und MA Schule und Unterricht)
  • im Master-Studiengang „Pädagogische Praxisforschung“
  • im MA-Studiengang „Leitung, Forschung und Bildung in heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Einrichtungen.“

Welche Ausrichtungen pädagogischer Praxisforschung werden dort gelehrt und welche Ziele sind damit verbunden?
„Pädagogische Praxisforschung“ umfasst die Planung, Durchführung und Auswertung von empirischen Untersuchungen in pädagogischen Handlungsfeldern,

  • von dort tätigen Pädagogen („der Lehrer als Forscher“; Aktions- und Handlungsforschung)
  • von „externen“ Forschern, die wissenschaftliche Begleituntersuchungen oder grundlegende Forschungsprojekte in pädagogischen Handlungsfeldern durchführen
  • in Mischform unter Beteiligung sowohl von externen Forschern wie im Forschungsfeld tätigen Pädagogen

Was ist das Besondere an pädagogischer Praxisforschung – im Vergleich zur empirischen Forschung allgemein?
Die Besonderheit pädagogischer Praxisforschung ist in allen Fällen, dass die Forschung im vertrauten Bereich stattfindet (in besonderem Maße natürlich bei der Forschung durch tätige Pädagogen). Dies bedingt besondere Herausforderungen für die Forschungsmethodologie und –methoden, die besondere Nähe zum Untersuchungsgegenstand mit der gebotenen Distanz des forschenden Blickes zu vermitteln.

Was ist denn notwendig, um diesen besonderen Herausforderungen der „Forschung im vertrauten Bereich“ gerecht zu werden?
Dazu sind im Wesentlichen die folgenden Grundhaltungen leitend:
Neugier, Offenheit und biographische Selbstreflexion.

Können Sie das genauer erläutern?
Neu-Gier bedeutet: Ausgangspunkt und Ziel aller Praxis-Forschung sollte von der „Gier“ nach neuen Erkenntnissen geleitet sein – nicht die Bestätigung von Evidenzen, Erfahrungen, Vorannahmen der eigenen pädagogischen Praxis, sondern die Suche nach neuen, überraschenden Erkenntnissen, Perspektiven, Fragestellungen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Kenntnis bereits vorhandener Forschungsergebnisse zum Gegenstand.

Offenheit meint: Eng verbunden mit der Neugier ist die Grundhaltung der Offenheit, die bereits bei der Entwicklung und Formulierung der Forschungsfragen leitend sein soll- nach dem Motto: mit „fremdem Blick“ auf Vertrautes schauen.

Und biographische  Selbstreflexion: In ganz besonderem Maße ist diese notwendig im Zusammenhang mit pädagogischer Arbeit und Forschung: Jeder Pädagoge war selbst Erzogener, die eigenen biographischen Erfahrungen prägen Einstellungen, Erwartungen, Bewertungen wie in keinem anderen Berufsfeld.

Wie können diese Grundhaltungen erlernt werden?
Ein Grundprinzip der Methodenausbildung an der Alanus Hochschule ist die praktische Forschungstätigkeit der Studierenden von Anfang an: die Durchführung von kleinen Interviews, von Beobachtungsstudien, Sammlung von natürlichen Daten, die in den Studiengruppen sorgfältig analysiert werden. Lehrforschungsprojekte gehören ebenso zur Ausbildung, in denen die Studierenden ein Projekt von der Planung bis zur Präsentation durchführen.

Prof. Dr. Charlotte Heinritz, Professorin für empirische Sozialforschung

Prof. Dr. Charlotte Heinritz ist seit Anfang 2008 Professorin für empirische Sozialforschung im Fachbereich Bildungswissenschaft an der Alanus Hochschule.

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