Praxisforschung zum selbstverantwortlichen Lernen an Waldorfschulen

28. August 2015

Das selbstverantwortliche Lernen gehört an Montessori-Schulen und Freien Alternativschulen längst zum pädagogischen Konzept, an Waldorfschulen findet diese Art des Lernens noch wenig Beachtung. Bis auf drei Ausnahmen: An Waldorfschulen in Hamburg, Bochum-Wattenscheid und Salzburg wird das selbstverantwortliche Lernen seit 15 Jahren erprobt und seit acht Jahren auch wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts wurden nun in einem Buch zusammengefasst. Michael Harslem und Dirk Randoll, Professor für Erziehungswissenschaft an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Bonn, begleiteten die Praxisforschung zum selbstverantwortlichen Lernen. Dieses Buch soll dabei helfen, die entsprechenden Lernformen gleichermaßen bei Lehrern, Eltern und Schülern zu verbreiten. Die Publikation bietet Einblicke in die vielseitigen Methoden, mit denen das selbstverantwortliche Lernen an Waldorfschulen entwickelt werden kann. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Software AG – Stiftung verwirklicht.

Die zentrale Frage des Praxisforschungsprojektes lautete, was Schule und Pädagogik tun können, um den angeborenen Lernwillen von Kindern und ihre selbst entwickelten Lernwege und Lernstrategien zu erhalten. Laut Michael Harslem ist es daher wichtig, Schüler selbst die Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen zu lassen. Lehrer und auch Eltern sollten als Vorbild und eine Art Entwicklungsbegleiter für den individuellen Lernprozess verstanden werden und nicht als Befehlshaber, Manager oder Besserwisser. Auch Dirk Randoll insistiert, dass es in der ständig komplexer werdenden Gesellschaft und Arbeitswelt wichtig ist zu lernen, wie man lernt und sich Wissen selbst aneignet. Der Erziehungswissenschaftler betont, dass das Projekt „Selbstverantwortliches Lernen an Freien Waldorfschulen“ für Waldorfschulen nicht nur innovativ, sondern revolutionär ist. Denn es zeigen sich methodisch-didaktische Schwächen in den wesentlichen Grundüberzeugungen der Waldorfpädagogik. Laut Randoll steht beim selbstverantwortlichen Lernen nicht die Führung und Anleitung des Schülers im Vordergrund, sondern die Förderung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozess. Nichtsdestotrotz haben Waldorfschulen viele gute Voraussetzungen und Möglichkeiten das selbstverantwortliche Lernen in ihre pädagogischen Ansätze mit einfließen zu lassen. Schließlich ist ein Grundsatz der Waldorfpädagogik, dass jede Erziehung Selbsterziehung ist und das Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes sind. Es sei aber auch wichtig anzumerken, dass die Schülerinnen und Schüler heutzutage mit den tradierten Methoden des Unterrichts auch an Waldorfschulen nicht mehr erreicht werden. In dem Buch werden Ansätze und Konzepte gezeigt, die hier Abhilfe schaffen können. Die Autoren beschreiben zunächst die Voraussetzungen für selbstverantwortliches Lernen und stellen im Anschluss daran eine Sammlung von über 40 konkreten und nachahmbaren Praxisforschungsprojekten aus Projektschulen vor. Walter Hiller von der Software AG – Stiftung beschreibt das Buch als bemerkenswerte Ergänzung zu dem waldorfpädagogischen Methodenspektrum.

Das Buch: Harslem, Michael / Randoll, Dirk (Hrsg.) (2013): Selbstverantwortliches Lernen an Freien Waldorfschulen. Ergebnisse eines Praxisforschungsprojektes. Beispiele aus der Unterrichtspraxis. Kulturwissenschaftliche Beiträge der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft – Band 10. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2013. 250 S., 59 farb. Abb. ISBN 978-3-631-64388-4 (Hardcover), ISBN 978-3-653-03487-5 (eBook)

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